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Vorbei die Zeit der Kettenträger

| Mo., 12.09.2022 - 11:17

Das Fachmagazin für Profiköche Marketa Schellenberg

Frauen in Profiküchen

Es beginnt schon mit der Berufswahl: Mädchen und junge Frauen haben häufig gute Noten und streben eine höhere Bildung an, statt einen praktischen Ausbildungsberuf zu erlernen. Oft ist es auch so, dass Eltern den Mädchen vom Kochberuf abraten, weil der Beruf schwer mit einer Familie vereinbar ist. Jungen stellen sich die Frage der Vereinbarkeit nicht, sie setzen voraus, dass sie auch mit Familie als Koch arbeiten können. Die heutigen gesellschaftlichen Bedingungen sind leider noch immer so, dass es die Frauen sind, die für die Familienarbeit sorgen. Das ist sicher der wichtigste Grund dafür, dass es heute immer noch verhältnismäßig wenige Köchinnen gibt. In Deutschland gilt der Beruf des Kochs als Männerdomäne. Das habe ich ganz anders erlebt, als ich Köchin gelernt habe – damals noch in Tschechien zu sozialistischen Zeiten. Frauen haben dort selbstständig und gleichberechtigt gearbeitet, typische Männer- und Frauenberufe gab es nicht. Ich habe den Beruf aus Überzeugung gelernt und bin nach meiner Ausbildung als junge Köchin auf Wanderschaft gegangen – zunächst in Österreich und dann in Deutschland.

Förderstrukturen notwendig

Damit Frauen sich nicht zwischen Kindern und Karriere entscheiden müssen, brauchen wir Strukturen, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Für mich ist der absolute Schlüssel zur Veränderung Bildung und Fachkompetenz. Wir müssen Frauen, die Familienzeiten nehmen, ermöglichen, sich in dieser Zeit weiterzubilden – damit es eben nicht zu einem Karriereknick kommt. Dafür müssen wir Zeit und Geld investieren. Für Betriebe ist das ein sehr lohnendes Investment, gute Mitarbeiterinnen nicht zu verlieren. Ich habe in meiner Familienzeit eine Weiterbildung zur Gourmetköchin für Vollwertküche gemacht und war damit damals Vorreiterin. Es gab seinerzeit nicht viele Köche, die vegetarisch oder vegan kochen konnten. Heute bin ich unter anderem als Dozentin in diesem Bereich tätig und unterrichte viele Männer in veganer/vegetarischer Küche. Hier erlebe ich vielfach die Angst, dass alte Regeln plötzlich nicht mehr gelten, auch weil die „Männerdomäne Fleisch“ angegriffen wird. Ich muss mir hier Gehör verschaffen und kann mit Kompetenz punkten. Langsam ändert sich was – immerhin haben zum Beispiel in diesem Jahr die ersten veganen Grillmeisterschaften stattgefunden. 

Das Arbeitsklima war in den Küchen früher rau, das hat sicher viele Frauen abgeschreckt, den Beruf zu ergreifen oder ihnen wurde deshalb davon abgeraten. Auch ich habe während meiner Ausbildung und in den ersten Berufsjahren negative Erfahrungen gemacht, die sich allein auf mich als Frau und nicht auf meine Kompetenz zurückführen lassen. Es war besonders schlimm, wenn großer Druck in der Küche herrschte oder in der Saison die Nerven blank lagen. Ich habe mich dagegen gewehrt, sehr gestritten und auch einmal sofort meine Koffer gepackt. So etwas muss sich niemand gefallen lassen. Es ist wichtig, dass Frauen sich in solchen Fällen nicht leise verhalten und grundsätzlich ihre Position erkämpfen. Leider werden Mädchen noch immer dazu erzogen, nett und fügsam zu sein und sich nicht zu wehren. Heute kann sich diesen Ton keiner mehr leisten. Allerdings hat sich heute nur der Ton geändert, die Denkweise ist bei den meisten Männern die gleiche geblieben. Mit der Folge, dass die Mittel gegen Frauen subtiler geworden sind. So bekommen viele Frauen die Arbeitsstelle nicht, die sie gerne hätten, obwohl sie gleich qualifiziert sind wie männliche Bewerber. Über die Gründe wird dann geschwiegen. Wir brauchen einen gesellschaftlichen Wandel, in den Köpfen vieler Menschen ist noch nicht angekommen, dass Männer und Frauen gleich sind.

„Der raue Ton in der Küche gehört der Vergangenheit an, die Denkweise ist aber geblieben. Die Mittel gegen Frauen sind subtiler geworden.“

Bewusstsein wächst 

Einiges hat sich schon geändert, vielfach gibt es ein Problembewusstsein. Ich treffe viele männliche Kollegen, die sich über Frauen im Team freuen. Der Umgang miteinander in der Küche ist in gemischten Teams oft freundlicher. Frauen haben gelernt, ihr eigenes Ego zurückzustellen und für das Team zu arbeiten. Diese weiblichen Eigenschaften bringen viele Teams nach vorn. Es fehlt jetzt noch der letzte Schritt, dass die Erfolge der Frau en auch anerkannt werden. Und Frauen müssen lernen, sich auf der Karriereleiter nicht selbst im Weg zu stehen. Frauen, die progressiv arbeiten wollen, müssen aber auch die Chance dafür bekommen. Leider ist es noch immer so, dass Familie und Kin der für Frauen einen Karriereknick darstellen. 

Als Vizepräsidentin im Vorstand des Verbandes der Köche Deutschlands e. V. habe ich mir insbesondere die Bildungsförderung von Frauen vorgenommen. Wir müssen der gesun den Ernährung, der vegetarisch/veganen Küche mehr Raum in der schulischen Ausbildung zum Koch/zur Köchin geben. Ich möchte außerdem Weiterbildungsangebote gezielt für Frauen bündeln und fördern und mich auch darum kümmern, dass Frauen, die in der Elternzeit nur anteilig ein Einkommen beziehen, hier finanziell unterstützt werden, z. B. über Stiftungen. Ich sehe mich grundsätzlich als Karriereberatung für alle Frauen im Verband. Wir müssen im Verband besser sichtbar werden, der sich bereits modernisiert hat. Die Zeit der großen Kettenträger ist vorbei. Wir brauchen aber Beidseitigkeit: Die Unterstützung des Verbands und die Bereitschaft und Initiative der Frauen, sich nicht zu verstecken und sich Gehör zu verschaffen. Wir haben tolle und erfolgreiche Frauen als Köchinnen und ich möchte an alle appellieren, sich mit uns oder untereinander gut zu vernetzen.

Autor dieses Beitrags

Elena Vinogradova

Ei,ei,ei, was ist denn da? / es ist ein Text; über Elena Vinogradova.

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